Dark Travel

Elementar, Dr. Watson!

Endlich ein paar Fakten. Jack the Ripper und Rasputin haben eigentlich nicht viel gemeinsam, aber wenigstens haben sie tatsächlich gelebt – und bleiben tot. Was verständlich ist: Die beiden möchte nun wirklich keiner versehentlich beim Tischerl-rücken rufen.

...Lover of the Russian Queen...

Was dem Schlächter von London schon alles angedichtet wurde: Er war Metzger, er war Arzt, er war Adliger, er war Antisemit, er war Jude, er war Freimaurer. Bis heute weiß man rein gar nichts über den Ripper, nicht einmal die genaue Anzahl seiner Opfer. Das lässt natürlich viel Spielraum für die Spekulanten an der Blut-Börse, denn ursprünglich waren es nur fünf Opfer, die Jack zugeschrieben wurden. Sie haben richtig verstanden: fünf! Und bei der Zahl schlackert nicht einmal mehr Bambi mit den Ohren. Die lausige Quote ist den Stadtführern natürlich schon längst zu wenig (wenn Sie mich fragen: einige dieser Herren würden am Liebsten ständig durch Nebel waten, nur für die Show). Bei der Jack the Ripper Walking Tour wurde Touristen-tauglich an der Zahl geschraubt, heraus kam eine glänzende 17, die jedoch selbst von den abgebrühtesten Guides angezweifelt wird. Tatsächlich eingeschlichen haben sich sechs weitere Leichen, die anscheinend zu posthumen Ruhm gelangen wollten – oder den Ruhm des Mythos tatkräftig unterstützen möchten. Sieben davon werden in knappen zwei Stunden auf der Tour vorgestellt, aber wissen Sie was? Ein Spaziergang durch Whitechapel lohnt sich ohnehin, also warum nicht gleich die Tatorte besichtigen?

Jack the Ripper war Ihnen nicht unheimlich genug? Dann folgen Sie mir in den Jussupow-Palast nach St. Petersburg! Hier wurde Rasputin ermordet, Berater des Zaren und Dorn im Auge der Mächtigen. Sein Leben war ein Film, sein Tod ein Mythos. Wer war Rasputin? Und vor allem: wie ist er gestorben?

Folgen Sie mir in den Keller des klassizistischen Palastes, Vorsicht, Stufen. Hier, wo der mächtige Rasputin gestorben ist, sehen Sie heute eine Ausstellung über seinen mysteriösen Tod. Seine Jugend verbrachte er als Tunichtgut, seine Lehrjahre als Pilger und Sektierer. Am Hof des Zaren gelang ihm recht schnell der Aufstieg zum Günstling – seinem Charisma, seiner Stärke konnte sich keiner entziehen. Sein Blick war stechend, in seinen Augen loderte ein geheimnisvolles Feuer. Sehen Sie sich seine Wachsfigur an, dann wissen Sie, was ich meine. Kommen Sie näher: Es ist, als würde er Ihnen direkt in die Seele blicken, nicht wahr? Dieser Mann hat den Sohn des Zaren geheilt, war lange Zeit auch in politischen Belangen sein engster Berater und wurde aufgrund seiner Eskapaden vom Hof verjagt und von der Presse verfolgt, die nicht verstanden hat, warum der Zar mit diesem Trunkenbold und Mädchenschänder paktierte. Ganz klar, Rasputin musste weg, und zwar schnell.

Es passierte hier, zwischen Prunk und Protz, wo Rasputin sein letztes Abendmahl zu sich nahm. Und was das für ein Mahl war: Im Kuchen war Zyankali, doch Rasputins außergewöhnliche Anatomie reagierte nicht auf das Attentat. Erst vier Schüsse konnten den großen Seher so sehr schwächen, dass es für die Verschwörer leicht war, ihn in den eiskalten Fluten zu versenken. Lächerlich? Keineswegs: Rasputins feiger Mörder Jussupow selbst hat es so beschrieben.

Heiliger oder Schwindler, Geistheiler oder Scharlatan? Was denken Sie, meine Herrschaften? War Rasputin eine verwirrte Seele, ein geisteskranker Psychopath oder bloß der Sündenbock für den Untergang des Zarenreichs? Wer weiß, vielleicht war Rasputin ja gar kein Mensch?

Jussupow Palast » Der Tipp auf der Weltkarte

Veröffentlicht am 29. Oktober 2009

Alle Infos wurden zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuell recherchiert. Service-Infos wie z.B. Preisangaben können sich jedoch täglich ändern. Bitte überprüfen Sie diese deshalb im Rahmen Ihrer individuellen Reiseplanung.

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