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Von: Andrea Schröder

Goa

Großes Goa!

Indiens kleinster Bundesstaat Goa ist überraschend vielseitig. Während in den einstigen Hippie-Hochburgen von Nordgoa Highlife herrscht, erwarten den Urlauber im Süden Ruhe und Luxus.

Die Liege am Pool des Leela-Clubs gewährt einen Blick auf die Welt im Großen und im Detail. Zum Indischen Ozean hin erstreckt sich die sanft gewellte Rasenfläche des Golfplatzes. Schneeweiße Silberreiher schreiten snobistisch im satten Grün. Seht her, wie schlank und elegant wir sind! Hin und wieder fliegt ein Schwarm geräuschvoll auf und lässt sich kreischend in den haushohen Bäumen des Dschungels nieder, der gleich hinter dem Hotelzaun zu wuchern beginnt. Golfer sind keine zu sehen. Dafür zieht jetzt eine Prozession ganz in Weiß gewandeter Kellner vorbei. In Schulterhöhe balancieren sie Tabletts mit Kaffeekannen aus glänzendem Edelstahl und geflochtene Körbchen mit duftigem Gebäck.

Das flaschengrüne Glasmosaik des Club-Pools glitzert im Sonnenlicht. Drei nachtschwarze Krähen sitzen am Rand und stillen umständlich ihren Durst: Schnabel eintauchen, Köpfchen weit zurückwerfen, schlucken. Noch ein Kellner erscheint geräuschlos und serviert ein dickwandiges Glas mit Eiswasser, Limonenschnitz und Minze sowie ein kühles Tuch. Jede Liege ist mit zwei Handtüchern bestückt, von denen eines aufgerollt und am Kopfteil festgeklemmt ist, sodass man es mit einem Handgriff in die passende Position als Nackenstütze bringen kann – große Menschen rollen es etwas hinauf, kleine hinunter. In der Himmelsferne zerteilen die Rotorblätter eines Helikopters die feuchte Tropenluft. Er wird wohl in der Nähe landen und einen Investmentbanker oder Bollywoodstar aus Mumbai absetzen.

Das Leela-Hotel in Goa bietet gutsituierten Gästen mit seiner exklusiven Hotel-im-Hotel-Anlage The Club ein Refugium auf höchstem Niveau. Bill Clinton wohnte schon hier. Tommy Hilfigers Gattin Susie (inzwischen die Ex) bezog ihren Stützpunkt im Club, als sie Goas Märkte und Basare abgraste.

Heute mache ich mich in Susies Suite breit. Die zwei Zimmer plus großer Ankleide plus Wohnbad sind so großzügig und edel möbliert, der Service durch Butlerin Sonja derart zuvorkommenddiskret, dass es Überwindung kostet, sie (sowohl Suite als auch Sonja) hin und wieder zu verlassen. Luxustourismus folgt einer seltsamen Logik. Wozu in exotische Länder reisen, wenn man sich dort hinter fünf Sternen verschanzt? Andererseits: Warum sollte man sich so ein Hotel nicht mal gönnen, wenn man es sich leisten kann? Why not – jedenfalls solange die Neugier wie ein Magnet wirkt, der einen aus dieser Hochburg des puren Hedonismus wieder ins Leben hinauszieht.

Veröffentlicht am 11. Oktober 2008

Alle Infos wurden zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuell recherchiert. Service-Infos wie z.B. Preisangaben können sich jedoch täglich ändern. Bitte überprüfen Sie diese deshalb im Rahmen Ihrer individuellen Reiseplanung.

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