One Night in Mumbai
Was tut man mit elf Stunden Zwischenstopp in Mumbai? Entweder man lagert auf einer Flughafenbank die Beine hoch – oder man wirft sich mutig mitten in das dichteste Menschengewühl auf Gottes Erdboden.
Sein Name war Abhay. Wie ich später erfuhr, bedeutet das „der Angstlose“. Abhay war undefinierbaren Alters, irgendwas zwischen 45 und 65. Ich konnte ihn nicht danach fragen, denn seine Sprache war nicht die meine und die meine nicht die seine, und er gehörte zu den wenigen Indern, denen Englisch bis auf ein paar Wörter unbekannt ist.
Als ich in sein Taxi stieg, war gerade alles rot, orange und lila beleuchtet, weil die unterschiedlichen Smogschichten über Mumbai das Licht der untergehenden Sonne in die prächtigsten Spektralfarben zerlegten. Es gibt eine eigene Schönheit des Drecks. Smogsonnenuntergänge zum Beispiel oder das Schillern dünner Ölschichten auf Wasser, eine gefährliche, abartige, menschenproduzierte Schönheit.
Vor zwei Stunden war ich in Mumbai gelandet. Der Anschlussflug ging erst lang nach Mitternacht – in neun Stunden. Nur eine davon würde es noch hell sein, dann würde dieses Ungetüm von einer Stadt in feuchtwarmer Finsternis versinken. Und zwar mit mir mittendrin.
Veröffentlicht am 14. März 2008
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