Der Kaiserstadt neue Kleider
Der Countdown für die Olympischen Spiele 2008 in Peking läuft. Für dieses Prestigeprojekt modernisieren die Chinesen ihre Hauptstadt im Eiltempo, polieren gleichzeitig aber auch die alte imperiale Herrlichkeit wieder auf. Schwer zu sagen, welches Gewand der Metropole besser steht.
Verglichen mit dem Kaiser von China war der Sonnenkönig Ludwig XIV. ein bescheidener Mann. In offener Heimlichkeit musste er sich seine Mätressen halten. Sein Zeitgenosse Kangxi hingegen konnte ganz ungeniert aus einem Harem von 55 Ehegattinnen, Nebenfrauen und Konkubinen wählen: Er bestellte sein Abendvergnügen ganz einfach beim Obereunuchen.
Kangxis Reich war das größte und reichste der damaligen Welt, mehr als 20-mal so groß wie Frankreich. Sein Absolutismus war noch despotischer und sein Palast noch gewaltiger als selbst Versailles. Im Volksmund wurde der Kaiserpalast von Peking Verbotene Stadt genannt: Meterdicke, turmhohe Mauern umschließen eine ganze Stadt mit einer schier unüberschaubaren Anzahl an Hallen, Tempeln, Pavillons, Toren, Türmen und Wohnhöfen. Für Normalsterbliche war der Zutritt verboten, umgekehrt war die Welt draußen für die meisten Angehörigen des Hofstaates unerreichbar. Konkubinen, Hofdamen, Diener, Sklaven, Wächter und Eunuchen hatten einzig den Zweck zu erfüllen, dem Kaiser an allererster, seiner Familie an zweiter Stelle ein angenehmes Leben zu bereiten.
Veröffentlicht am 10. Oktober 2008
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