Shoppen in Athen

Die Ouzo-Connection

Selber schuld, wer sich beim Weihnachtsgeschenke-Einkaufen kalte Füße holt! In Athen sitzt man im Dezember noch draußen vor dem Kafenion in der Nachmittagssonne. Und das Angebot in den Boutiquen braucht den Vergleich mit Paris und London nicht zu scheuen!

„Kalimera, Athina, es ist Samstag, 9 Uhr, Sie hören Cosmoradio, und heute wird ein kühler Tag!” Für die Bewohner Athens ist diese Durchsage kein Grund zu klagen. Endlich, nach dem langen, viel zu heißen Sommer in der Stadt kann der modische Athener seinen neuen, gewagt glänzenden Anorak von Lakis Gavalas ausführen und die modische Athenerin die Pelzjacke von Kaplan aus Kastoria oben im Norden, wo sie noch nicht wegen jedes toten Eichhörnchens weinen. Jetzt darf man wieder zeigen, was man hat. Das Beste an den Kaufhäusern ist nicht mehr die Klimaanlage, und auf der Plateia Kolonaki bestellt man wieder Cappuccino statt Freddo.

Samstag früh in Athen, also nicht vor elf, halb zwölf, begibt man sich als Erstes mal ins Da Capo. Wundern Sie sich nicht, wenn manche Herren in dunklen Anzügen ihre Sonnenbrillen auch im Café nicht abnehmen – entweder ist es am Vorabend etwas länger geworden, wovon man in Athen immer ausgehen muss, oder Sie stehen einem der vielen Bodyguards gegenüber, die hier schwer beschäftigt sind. Immerhin wohnt in Kolonaki die Elite des Landes aus Wirtschaft und Politik, zumindest im Winter. Kann also leicht passieren, dass man neben einem Minister im Schanigarten zu sitzen kommt. Ja, ja, auch im Dezember sitzt man hier noch draußen, der Grieche kann gar nicht anders. Und dann gibt’s ja noch diese segensreiche Heizstrahler, sodass man es auch am Abend wohlig warm hat.

Aber wenn wir’s genauer bedenken, sollte man hier eigentlich gar nicht draußen sitzen. Nicht wegen der Temperatur, nein, Städtereisende aus unseren Breiten werden in Athen nicht so schnell frösteln, es ist mehr wegen des Unterhaltungswerts drinnen. Wenn Sie also an der Kasse im Da Capo warten, um Ihre Bestellung abzugeben, umdrängt von Menschen, die nicht gewohnt sind, Schlange zu stehen, müssen Sie entscheiden: mehr zahlen und hinsetzen oder weniger zahlen und am Tresen stehen.

Letzteres hat den Vorteil, die Passanten beobachten zu können. Sie raunen also der Dame des Hauses, die Ihre Wünsche Samstagmorgen persönlich entgegennimmt, ein kurzes „mesa“ zu („exo“ wäre der Code für draußen), nehmen ihren Cappuccino und ein „Kruasan“, wie man das Croissant hier nennt, in Empfang und kämpfen sich zu einem Plätzchen am Fenster durch.

Was fällt Ihnen auf? Richtig – kein Mensch ist ohne mindestens ein Einkaufssackerl unterwegs.

Veröffentlicht am 09. November 2005

Alle Infos wurden zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuell recherchiert. Service-Infos wie z.B. Preisangaben können sich jedoch täglich ändern. Bitte überprüfen Sie diese deshalb im Rahmen Ihrer individuellen Reiseplanung.

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